Die Nacht war voller Leichtigkeit. Musik, Tanz, vielleicht ein bisschen zu viel Wein – und am Ende zwei Menschen, die sich einfach verstanden. Ella und Max kehren in den frühen Morgenstunden nach Hause zurück, noch ein Lachen auf den Lippen, müde vom Tanzen, aber glücklich. Es war eine dieser Nächte, die man nicht plant – die einfach passieren.
Doch in Wiesenkirchen gibt es keine Heimkehr ohne Publikum.
Chris steht da, wie erstarrt, als er die beiden sieht. Sein Blick fällt auf Max, dann auf Ella – und in seinen Augen lodert ein stilles Feuer aus Enttäuschung. Für ihn ist das Bild eindeutig. Zu eindeutig. „Sie sind jetzt zusammen“, denkt er. Und in diesem Moment fällt alles, was er für Ella empfand – alle Hoffnungen, alle Pläne – in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Chris zieht sich zurück, wortlos. Zu sehr verletzt, um zu fragen. Zu stolz, um die Wahrheit zu suchen.
Ella jedoch merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Chris’ plötzlicher Rückzug trifft sie unerwartet. Sie weiß, dass es eine Erklärung braucht. Dass sie ihm sagen muss, dass die Nacht mit Max nichts war – nichts als Freundschaft, Tanzen, Lachen, Nähe ohne Versprechen.
Sie will zu ihm. Sie will reden. Sie will endlich den Knoten lösen, der zwischen ihnen liegt.
Doch als sie sich Chris nähert, wird sie unterbrochen – von Linda.
Linda ist plötzlich da, charmant, souverän, ganz die alte. Sie redet, stellt sich an Chris’ Seite, wirft beiläufige Bemerkungen ein, die klingen wie Liebesbekenntnisse. Und Ella hört zu. Sie sieht, wie nah sich die beiden stehen. Sie hört die vertrauten Worte. Und zieht ihre eigenen Schlüsse.
„Sie sind wieder zusammen“, denkt Ella. Und der Mut, mit dem sie zu Chris gehen wollte, bröckelt. Warum sollte sie sich öffnen, wenn er längst vergeben ist?
So stehen sie da – Chris mit seiner falschen Annahme, Ella mit ihrer stillen Verletzung. Beide tragen sie Wahrheiten in sich, die nie ausgesprochen werden. Beide glauben zu wissen, was Sache ist – und beide liegen falsch.
Zwischen ihnen steht nichts als ein Moment der Verwirrung, genährt von Stolz, Schweigen und falschen Signalen. Doch dieser Moment reicht aus, um zwei Herzen, die sich fast gefunden hätten, wieder auseinanderzutreiben.
Ella kehrt in ihr Zimmer zurück, allein. Chris fährt mit dem Rad durch die kühle Morgenluft, ohne Ziel. Und Linda? Sie lächelt. Ob aus Eifersucht, Taktik oder echter Hoffnung – man weiß es nicht. Aber sie hat genau das erreicht, was sie wollte: Abstand zwischen Chris und Ella.